Ich bin kein Freund davon, Polizisten fertig zu machen, nur weil die eben gelegentlich mal zur Waffe greifen müssen. Und wenn wie jetzt in Hamburg ein Polizist einen psychisch Kranken erschießt, finde ich es durchaus angemessen, erstmal die Untersuchungsergebnisse abzuwarten, bevor man irgendwelche Verschwörungstheorien entwickelt.
Aber ein bißchen merkwürdig finde ich den Fall schon. Und damit meine ich jetzt nicht, daß der Polizist schoß, als er angegriffen wurde. Was ich nicht verstehe ist der Umstand, daß man jemanden, der sowieso gerade im psychischen Grenzbereich lebt, die Wohnungstür eintritt. Was hat man denn gedacht, wie der Mensch reagieren würde?
Und dann ist es doch auch taktisch überaus idiotisch. Das sich der Mann in der Wohnung verbarikadierte, hatte doch den unbestreitbaren Vorteil, daß er dort niemanden etwas tun konnte. (Von der Lärmbelästigung mal abgesehen.) Um es mal mit den Worten des unsterblichen Terry Pratchett zusagen: “Wenn der Feind über eine uneinnehmbare Festung verfügt, so sorge dafür, dass er dort bleibt.”
Taktik wird an Polizeischulen doch noch gelehrt oder?
Ach und wor wir schon bei Merkwürdigkeiten sind: Wieso eigentlich findet sich in jedem zweitem Pressebericht die Formulierung “offenbar in Notwehr“, wenn die Untersuchung der Mordkommision gerade erst angelaufen ist?
Tags: Polizei, Presseschau, psychisch Kranke
29 Dezember 2009 um 3:15 am
Naja, – Polizisten haben immer recht.
Das kenn’ ich von K11 und “Harry und Toby”, oder wie die heissen.
Und die Babsi und der Alex auf Sat1 haben auch immer Recht.
Naja ernsthaft, denke nicht das jedweder StreifenPolizist vorher einen UniversitätsAbschluß in Psychologie vorweisen muss……….
29 Dezember 2009 um 7:27 am
so etwas ist einfach nur ein desaster, das dann auch noch vor den augen seiner mutter … das hat man davon, wenn jeder vollpfosten zu den bullen darf, hauptsache er ist gut in sport (wie man sieht die tür konnten sie ja eintreten)
29 Dezember 2009 um 11:15 am
General Taktikus lehrt offenbar nicht an deutschen Polizeischulen
Nein, mal im Ernst: Wer seit Stunden lautstark in seiner Wohnung randaliert und bekanntermaßen psychisch krank ist, der läuft Gefahr, mindestens sich selbst etwas anzutun. Die Möglichkeit, das zu verhindern, hat man nun mal zu ergreifen. Dass ab und an mal einer nicht mit Pfefferspray zu stoppen ist, ist eben nicht zu verhindern. Man staunt, wie weit Menschen in Extremsituationen selbst noch mit mannstoppender Munition in den Beinen flüchten können…
Kotzen könnte ich allerdings über die Kommentare, die dazu dann abgegeben werden. Dass die Polizei doch gefälligst für genau sowas ausgebildet ist und was man dann erst in “echten” Gefahrensituationen macht. Da kann ich nur den Kopf schütteln. Wie weit soll man sich denn als Polizist gefährden lassen, bis man etwas unternehmen darf? ICH möchte jedenfalls mit egal welcher Ausbildung keinen sich vollkommen unberechenbar verhaltenden Menschen mit dem Messer vor mir herumfuchteln lassen.
29 Dezember 2009 um 12:24 pm
Wenn jemand so richtig abdreht dann kann es einem schon ziemlich unangenehm werden. Ich bin in so Situationen immer froh wenn die “Grünen” schon da sind oder schnell kommen, ganz ehrlich, man steht doch seinem Leben am nächsten. Was diese Geschichte angeht kann ich gar nichts sagen da ich nicht dabei war (allerdings wohl ähnliche Sachen zuhauf erlebt habe…).
29 Dezember 2009 um 3:04 pm
fremd- und eigengefährdung, natürlich muss das unterbunden werden, aber die tatsachen das der mensch randaliert und psychisch krank ist war ja den bullen scheinbar auch schon vorher bekannt, da frag ich mich doch, mit was rechnen die, wenn sie die tür eintrten? das der mensch sich vor angst ganz klein macht, das er “bitte treten sie doch ein, ein schluck kaffee gefällig?” sagt ??? hallo, abgesehen davon sind die bullen nie allein, mit was werden die denn fertig, nur mit der entlaufnenen katze oder einem total betrunkenen???? natürlich sollen die sich wehren wenn sie angegriffen werden, aber doch nicht den menschen einfach umnieten und dann ausschließlich von notwehr reden … was haben denn die kollegen gemacht, fotos ???
29 Dezember 2009 um 4:17 pm
Gut, ein deratiges Vorgehen habe ich hier auch noch nie erlebt. Bin eher immer wieder erstaunt wie gelassen die Kollegen in grün in Situationen sind in denen mir schon lange der Kaffee auf ist.
Andererseits, würde der Beamte jetzt 6 Fuß tiefer liegen, weil abgestochen, würde die Welt sich fragen “ja warum hat er dem den nicht die Kniescheibe perforiert???”
Richtig oder falsch, schwarz oder weiß, ich habe ganz ehrlich keine Ahnung…
30 Dezember 2009 um 12:20 am
Nein. Und es wird auch niemand jemals eine echte Ahnung haben. Es wird Ermittlungsergebnisse der StA geben und dann schläft das ganz schnell ein. Und das halte ich auch für sehr richtig so. Wer nicht mindestens drei Ermittlungen wegen Körperverletzung (ggfs. mit Todesfolge) im Amt in der Akte stehen hat, der kann noch kein halbes Jahr Polizist seib – meine ich manchmal, wenn ich mir solche Akten so ansehe…
Das ist eine nette kleine Geschichte, um das Nachrichtenloch zwischen Weihnachten und Neujahr zu füllen. Danach kräht kein Hahn mehr danach.
31 Dezember 2009 um 2:03 pm
Das passt ja zum Blogbeitrag von Pokobi beim TAZ-Blog:
http://bewegung.taz.de/organisationen/pokobi/blogeintrag/polizei-erschiesst-buerger-