Wo wir doch neulich schon mal beim Thema waren, möchte ich heute mal ein Geständnis machen: Ich bin ein sexueller Langweiler.
Und ich schäme mich nicht im geringsten dafür. 
Angefangen hat alles in den Sechzigern, als die sogenannte „sexuelle Revolution“ das Land erfasste, obwohl das in Wirklichkeit nur eine schlecht kaschierte Kommerzialisierung des Sexuellen à la Schulmädchenreport bedeutete. Zugegeben, in den Sechzigern war ich noch gar nicht da, und mein erster Beischlaf war noch fernste Utopie, aber Zeiten die Sprüche wie „Wer zweimal mit derselben pennt, gehört schon zum Establishment“ generieren, haben es verdient, daß man sich noch nachträglich von ihnen distanziert. 
Ich bin ein Langweiler. Ich mag Sex am liebsten in der Missionarsstellung, im Bett und (wenn möglich) immer mit derselben Frau, die mich im besten Falle sogar liebt. Noch nie habe ich die Dienste einer Prostituierten in Anspruch genommen, Swingerclubs bescheren mir Alpträume und Sex an so genannten „ungewöhnlichen Orten“ habe ich mir abgewöhnt, seit ich bei so einer Aktion mal in einem Haufen roter Waldameisen gelandet bin. (Das ist nicht lustig!)
Ich rede niemals über intime Details meiner Liebesbeziehungen, habe das Kamasutra nur bis Seite 15 gelesen und möchte über Sexleben anderer Leute am liebsten gar nichts wissen, unabhängig davon, ob ich sie kenne oder nicht. „Tantrischer Sex“ ist mir genauso fremd wie die Turnübungen in Pornos, und wo wir grad bei Pornos sind, seit meiner Zeit in Willi’s Erotikstübchen finde ich Pornos auch nur noch bedingt anregend. Gummi, Lack und Leder zaubern grade mal ein gelangweiltes Stirnrunzeln auf mein Gesicht. Ohne prüder sein zu wollen als unbedingt nötig, gibt es Sachen, die ich nicht nur nicht im Traum nie machen würde, sondern die ich darüber hinaus auch einfach nicht wissen will oder wollte. Als mir beispielsweise mal jemand die genaue Funktion eines gartenzwerggroßen Analstöpsels erklärt wurde, bin ich doch etwas blaß geworden. Das ist mir zuviel an Information. Ich will mir noch nicht mal vorstellen, daß es Leute gibt, die sich vorstellen können, sich soetwas, wohin auch immer, einzuführen.
Ich finde, daß Sex zwei Liebende einander näher bringen sollte, und nicht wie konsumiert werden sollte wie Currywurst mit Pommes Rot/Weiß. Aber das ist nur meine Meinung.
Man könnte mit einigem Recht sagen, daß ich die fleischgewordene sexuelle Konterrevolution bin. Aber das stört mich nicht.
Jedenfalls, und das wollte ich eigentlich nur sagen, ich bin ein Langweiler.
Puh jetzt ist es raus. Jetzt gehts mir gleich besser.
Und selbst so?