Ich weiß, ich weiß, ich habe mich ein bißchen rar gemacht die letzten Tage. Tschuldigung. Leider gab es die eine oder andere traurige Nachricht zu bewältigen, weshalb ich tatsächlich zu beschäfigt war, mein Geschwätz unter die Leute zu bringen.
Ein schwerer Autounfall hat meine liebste beste Freundin ins Grab gebracht, und da muß auch ein Zyniker wie ich ersteinmal schlucken. So viele Freunde habe ich nicht, daß ich leichten Herzens auf sie verzichten könnte. (Zumal es wahrscheinlich keine Freunde wären, könnte man auf sie verzichten.)
Traurigerweise bin ich nicht halb so traurig, wie ich sein sollte, da ich meiner Depressionen wegen immer noch auf Sertralin bin, und die Wunder der modernen Psychopharmaka nicht sorgsam genug zwischen gesunder Trauer und kranker Larmoyanz unterscheiden können. Immerhin wird es wohl den Vorteil haben, daß ich die Beerdigung am Freitag leichter überstehen werde. Relativ jedenfalls.
Es ist doch echt zum Heulen, da hält man sich jahrelang von fettreichem Essen, illegalen Drogen und thermonuklearen Kriegen fern, und dann stirbt man bei einem banalen Autounfall, an dem man noch nicht einmal Schuld ist. Mit grad mal 29 Jahren. Erst neulich noch hatten wir bei Soljanka und Bier zusammengesessen und übers Sterben geredet und wie es uns wohl erwischen würde. Wie man das eben so macht, wenn man sich sicher ist, daß der Tod noch weit entfernt ist, und man in Wirklichkeit sowieso nie sterben wird . Und sie hatte solche Angst wie ihre Mutter an Krebs zu sterben. Na da hat sie dem Tod aber ein Schnippchen geschlagen. Wie ich sie kenne, würde sie das lustig finden.
Der Lebensgefährte meiner Freundin hat den Unfall schwer verletzt „überstanden“, auch wenn es noch ein paar Monate dauern wird, bis er wieder selbstständig Laufen, Scheißen oder Ficken kann. Immerhin ist er haarscharf an einer Querschittslähmung vorbeigeschrammt. Also habe ich am Sonnabend mal auf den Weg gemacht, ihn zu besuchen. Nun kann man sich wirklich schlechtere Orte als Plau am See aussuchen, wenn man denn schon ins Krankenhaus muß, und keine Besucher haben will. Gute 3:50 h braucht es, um dorthin zukommen und wenn man, in einem Anfall geographischer Verwirrung auch noch einen klitzekleinen Umweg über Rostock macht, kann es gleich noch eins, zwei Stunden länger dauern. (Irgendwie verblüffend, in knapp 10 h kann man bis Miami fliegen, aber nach Mecklenburg braucht es kaum weniger lang, als zu allerbesten Postkutschenzeiten. Anderseits ist es irgendwie auch ganz schön.)
Zusammenfassend können wir feststellen, daß Mecklenburg um diese Jahreszeit wirklich schön ist, in Rostock auch bei 25°C Temperatur Glühwein getrunken wird und das Krankenhausbesuche unabhängig von der Jahreszeit Scheiße sind.
Alles Kacke, ich bin traurig.

