Als von Natur aus friedlicher Mensch und Raucher bemühe ich mich stets, um einen freundlichen und toleranten Umgang mit den armen Nichtrauchern. Der Raucher an sich gehört ja zu den tolerantesten Lebewesen überhaupt. Ich jedenfalls kenne nicht einen Raucher, den es stören würde, wenn in seine Gegenwart nicht geraucht wird.
Freilich machen einem die Nichtraucher das Leben schon mal ziemlich schwer.
Ich habe zum Beispiel nie verstanden, warum sie andauernd Raucherkneipen aufsuchten und alle extra für sie in Leben gerufenen Nichtraucherkneipen pleite gingen ließen. Auch fand ich es etwas seltsam, daß in meiner Firma sämtliche Raucherbutzen geschlossen wurden, mit dem Argument so die Gesundheit der Mitarbeiter besser zu schützen. Hä? Die Raucher stehen jetzt auf dem Hof und quarzen genausoviel wie früher, und die Nichtraucher waren nie in den Raucherbutzen. Wessen Gesundheit also ist jetzt besser geschützt? (Vielleicht die des Rauchers, weil er jetzt mehrmals täglich frische Luft und Bewegung bekommt?)
Trotzdem begrüßte ich die Nichtraucherschutzgesetzgebungen, weil ich hoffte, daß nun Frieden einzöge in deutsche Lande. Und wenn ich dafür nur noch draussen rauchen darf, so will mir das ein kleiner Preis scheinen. Was macht man nicht alles für den sozialen Frieden.
Indes, nichts ist es mit dem Frieden. Zwar sind die Nichtraucher jetzt geschützt (Wobei sich mir schon die Frage stellt, seit wann eigentlich Mehrheiten vor Minderheiten geschützt werden müssen. Ist das sonst nicht andersherum?), aber das allein reicht manch radikalem Antinikotinisten nicht. Fast möchte sich der Eindruck einstellen, daß Nikotinkonsum die Plage unserer Ära sei, und daß, wenn erst die Raucher begriffen, wie unsäglich asozial und böse ihr Tun ist und sie in Zukunft ihrem Laster abgeschworen hätten, die Welt in bester Ordnung sei. Gleichsam ein irdisches Paradies, in welchem die Menschheit endlich befreit atmen könne.
Muß man noch darauf verweisen, daß mein lieber Nachbar der bei seiner täglichen Parkplatzsuche dreimal um den Block fährt, 10mal mehr Kohlendioxid produziert, als ich in einem ganz Jahr? Und muß ich darauf verweisen, daß die globale Erwärmung wohl kaum vom blauen Dunst der hartnäckigen Qualmer herrührt?
“Ui” schallt es mir jetzt aus der Nichtraucherecke entgegen: “Der Vergleich hinkt ja wohl ganz gewaltig! Ich muß Autofahren!”
“Ei freilich lieber Autofahrer” sag ich da: “Freilich mußt Du fahren. Das nennt man Sucht. Genau wie bei den Rauchern.”
Erst neulich noch beklagte sich ein Nichtraucher im Firmenintranet darüber, daß die Raucher scheints viel Zeit hätten, so oft wie er sie auf Raucherinseln stehen sehe, und das er es eigentlich gar nicht einsähe, für selbige mitzuarbeiten. Frag ich ihn daraufhin, wieviel Zeit er eigentlich hätte, daß er aus dem Fenster starren und Raucher zählen könne. Nennt er mich Zyniker. Stimmt wahrscheinlich. ![]()
Und trotzdem stellt sich mir die Frage warum sich mancher Nichtraucher nachgerade zwanghaft mit den Qualmern auseinandersetzt, als wären diese die Nazis des 21 Jahrhunderts. Meine These lautet: “Vom Nichtwollen allein, kann man nicht leben.*” Nichtrauchen an sich ist ja nicht schwieriger als Nichttrinken, Nichtautofahren oder Nichtgartenarbeiten. Wenn man gar nicht erst anfängt, fällt der Verzicht nicht schwer. Genaugenommen kann man dann auch gar nicht von Verzicht sprechen. Motivatorisch ist Nicht-Wollen jedenfalls ein Problem. Jemand der nicht will, hat einem Wollenden nur wenig entgegenzusetzen, denn der Wollende hat zumeist sehr starke Motive.** Der Raucher will den leichten Rausch, den Geschmack des Tabaks, das Verschwinden der Entzugserscheinungen und der Raucher will nichts. Jedenfalls nichts im Bezug auf Nikotin.
Nun kann der Nicht-Wollende sein Motivationsproblem lösen, indem er sich entschließt, etwas zu wollen. Die meisten Nichtraucher lösen das Problem, indem sie einfach etwas machen, das Ihnen Spaß macht. Sport zum Beispiel oder Fernsehen, oder Gartenarbeit oder wasweißichdenn. Wer aber nichts hat, daß ihm Spaß macht, hat ein Problem und ein Feindbild. Nämlich denjenigen, der weiß was er will und es auch tut. Und weil es sich nur schwer legitimieren läßt, Sportler oder Gärtner zum Feind zu erklären, ist eben der Raucher dran. Und dann kommen Gesetze dabei heraus die keiner braucht.
Wie jetzt, das ergibt alles keinen Sinn? Na und? Muß es doch nicht. Ich red hier doch nur so vor mich hin. Gehen Sie doch solange eine rauchen.
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*Keine Ahnung wer das gesagt hat, von mir ist es jedenfalls nicht.
** Ich vermute mal, daß deshalb die Atheisten so schlecht organisiert sind. Den meisten ist das Thema einfach scheißegal.
Tags: Rauchen
15 Juli 2010 um 1:38 pm
was rauchen in Firmen betrifft, kann ich nichts zu sagen, mir aber wohl vorstellen dass ein verqualmtes Großraumbüro nicht von allen toll gefunden wird. wobei es das wohl endgültig nicht mehr gibt.
zum rauchen in Kneipen und ähnlichem weiß ich nicht was ich blöder finden soll: die zeternden Nichtraucher oder die unsäglichen Versuche der Politik das rauchen zu unterbinden..
soll doch jeder Wirt ein Schild draußen an die Tür machen wo drauf steht ob geraucht wird oder nicht und dann kann es sich jeder überlegen diese Lokalität aufzusuchen oder halt auch nicht.
OK, das wird es niemals nicht geben.
zu einfach.
Markus, kopfschüttelnder Nichtraucher
17 Juli 2010 um 7:59 am
Beim ‘Rauchverbot’ ging es von Anfang an nur um Kosten. Weil wir Raucher unsere Filter auf Schienen und überall schnippten, weil es sau teuer ist Nikotin verseuchte Klimaanlagen zu reinigen hat man sich das ausgedacht. Die Nichtraucherfraktion hat sich dieses Interesse der Wirtschaft zunutze gemacht.
Markus Vorschlag gefällt mir, denn muss alles reglementiert werden. Als mündiger Bürger darf ich doch wohl selbst entscheiden. Und mal im Ernst: wenn ich in der Kneipe pures Marihuana rauche verstosse ich nicht gegen das Rauchverbot, zwar gegen das BTMG, nur wird das nicht geahndet! Es ist für mich ein Witz, da die BRD mit der Tabaksteuer echt viele Euronen einnimmt. Sonst wäre Tabak- und Alkoholwerbung verboten.
17 Juli 2010 um 9:15 pm
Schön, daß Du wieder schreibst, Roland. Ich puste jetzt am offenen Wohnzimmer-Fenster den Rauch meiner Gute-Nacht-Zigarette in selbige hinaus. Nachti!
2 August 2010 um 1:11 am
Hamburg Cruise Days 2010: 150.000 Menschen und viele Kreuzfahrtschiffe…
Auf meiner Keyword-Recherche durch das Internet habe ich Deinen Artikel gefunden. Wäre toll, wenn Du diesen Blog-Trackback annehmen würdest….