Schlechte Angewohnheiten

Seltsam. Sonnabendnachmittag, die Sonne scheint, die Vögel piepen, der Schlagermove terrorisiert ganz Hamburg und ich hocke mal wieder im Büro und arbeite ab, was ich unter der Woch nicht geschafft habe. Freiwillig. Wo soll das bloß noch hinführen? Arbeit gehört nun dummerweise zu den Angewohnheiten, die man nur schwer wieder los wird.
Wahrscheinlich vor allem deshalb, weil die Krankenkasse die Behandlungskosten nicht übernimmt. Ist wahrscheinlich billiger, wenn die arbeitende Bevökerung wegen Karōshi den Löffel abgibt. Oder so gestresst ist, daß sie beim Autofahren Gas- und Bremspedal verwechseln. Wie das gehen soll, muß mir auch mal jemand erklären.
Andererseits rechne ich damit, spätestens am Dienstag in Schimpf und Schande vom Werksgelände vertrieben zu werden, weil ich vor einiger Zeit richtig Scheiße im Job gebaut habe, und deshalb mit fristloser Kündigung rechnen darf. Tja, der Deibel scheißt (im Guten wie im Schlechten) nur auf den größten Haufen, und wo es eh grad schlecht läuft, würde mich das nur wenig überraschen. Natürlich ist es auch möglich, daß ich einfach nur ein bißchen in Panik bin, und nur den Teufel an die Wand male. Wie dem auch sei, am Dienstag bin ich schlauer. Im schlimmsten Fall bin dann wenigstens den Stress los. Ich weiß auch gar nicht, warum ich so besorgt bin, immerhin ist es nicht so, daß ich über beide Ohren in meinen Job verliebt bin und es für unvorstellbar halte, irgendwas anderes zu tun. Und immerhin steht Deutschland ganz kurz vor Vollbeschäftigung, so daß auch für mich wieder ein Job abfallen sollte. Wahrscheinlich bin ich schon zu lange im selben Job, daß mir einfach nicht mehr vortstellen kann, auch andere Aufgaben zu meistern.
Außerdem war die Arbeit in letzter Zeit derart nervig, daß ich schon mal klammheimlich die Tage bis zur Rente gezählt habe. ( ganz genau 9763) Und wenn man anfängt darauf zu hoffen, daß die eigene Lebenszeit sich verkürzt, sollte man eigentlich den Job wechseln. Gell?
Zukunftsängste sind auch so Gewohnheiten, die man nur schlecht ablegt.
Immerhin habe ich jetzt meinen Chef um Hilfe gebeten, und das ist, wenn man meinem Psychoonkel glauben darf, ein schöner Fortschritt für meine geistige Gesundheit. Ich bitte sonst nämlich nie um Hilfe, selbst wenn das nach Lage der Dinge vernünftig wäre. Der PO meint, das würde an meinem mangelnden Vertrauen in andere Menschen und meiner Angst vor Enttäuschungen liegen. Da könnte er Recht haben. Was weiß ich denn schon?

Puh, jetzt wo ich mir das alles noch mal so durchlese, klingt das schon ein wenig deprimierend. Nicht wahr? Das kann man ja so nicht stehen lassen. Also rasch noch etwas Positives angefügt.

Es ist Wochenende, die Sonne scheint und zu Hause wartet Kuchen auf mich. Das ist doch schon mal was. ;)

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2 Antworten zu „Schlechte Angewohnheiten“

  1. the-sun sagt:

    Da heute ja der Dienstag schon gewesen ist, wie ist es denn gegangen? Bzw. wurdest du gegangen? Beginnt ein neues Leben oder musst du weiter am Samstag Liegengebliebenes aufarbeiten?

    Komm doch mal auf einen Norwegenbesuch, hier ists nicht so stressig und freiwillig arbeitet hier auch keiner länger ;-)

    Lg, Britta

  2. rolandschwarzer sagt:

    Tja, so richtig ist das noch nicht raus, aber vermutlich werde ich noch ein Weilchen hier arbeiten dürfen. Norwegen klingt überaus verlockend. Leider ist mein Norwegisch sehr eingerostet. ;)

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