Wir basteln uns eine “Alternative Heilmethode”
Seien wir ehrlich, als Massenbewegung läßt die Puschlige Kirche der heiligen Faulpelze (PKHF™) sehr zu wünschen übrig. Zwar fühlen sich viele Menschen den Idealen der Bewegung grundsätzlich zugeneigt, aber für eine wirkliche Massenbewegung sind die Anhänger schlicht zu faul. Was natürlich einerseits großartig ist, anderseits aber auch nur wenig Geld in die Kassen spült. Deshalb halte ich es für nötig, die Prinzipien unserer Religion weiter zu verbreiten, indem wir eine alternative Medizin entwickeln, die auch die Ungläubigen erreichen kann.
Gemäß des Regelwerks aller alternativen Heilmethoden, ist eine Heilmethode dann schlecht, wenn sie mit den Schlagworten: Künstlich, Chemisch, Westlich, Wissenschaftlich und Pharmazeutisch (Modern) beschrieben werden kann. Daraus folgt, das unsere Methode Natürlich, Energetisch, Östlich, Kräuterlich und Traditionell sein muß. Natürlich sind alle diese Begriffe nur relativ zu betrachten. Erst neulich laß ich, daß der Kaffeeeinlauf ein “uraltes Hausmittel” sei. Das bei knapp 100 Jahren von “uralt” nicht die Rede sein kann, versteht sich von selbst, aber es demonstriert sehr schön die Vorgehensweise. Käme man nämlich erst heute auf die Idee, unschuldigen Patienten ohne Verstopfung Kaffee in den Arsch zu blasen, müßte man sich zu Recht fragen lassen, ob man denn noch alle Tassen im Schrank hätte. Da die Methode aber schon “uralt” ist, muß ja was dran sein, und darf ergo nicht mehr hinterfragt werden.
Aber zunächst brauchen wir erst einmal ein Axiom, auf dem unser Weltbild und damit unser Heilmethode beruhen soll. Und weil wir die PKHF™ sind, und das ganze ja irgendwie passend sein muß, lautet unser Axiom:
Corpus omne perseverare in statu suo quiescendi vel movendi uniformiter in directum, nisi quatenus illud a viribus impressis cogitur statum suum mutare.1
Wie Ihr zweifellos sofort erkannt habt, handelt es sich hierbei um das Erste Newtonsche Gesetz, daß aus gutem Grund auch TRÄGHEITSGESETZ genannt wird. Menschliche Trägheit nennt man Faulheit, womit wir einen sehr schönen Bogen zu unserer Religion geschlagen haben.
Unsere These lautet also: “Alle Krankheit und der Tod resultieren aus einer unnatürlichen Störung der menschlichen Trägheit (Faulheit).”2
Wenn also ein Mensch erkrankt ist, besteht die Aufgabe des Heilers darin, den natürlichen Zustand der puschligen Faulheit wiederherzustellen. Wie ist das nun zu erreichen?
Nun bekanntlich ist Faulheit ansteckend3. Natürlich ist der Begriff “ansteckend” irreführend, unterstellt er doch, daß Faulheit eine Krankheit ist. Verantwortlich hierfür sind offenbar die christlichen Religionen und ihr irregeleitetes Verständnis der menschlichen Natur. Nichtsdestowenigerzumtrotze ist die Beobachtung der Faulheitsübertragung richtig.
Der ausgebildete Faul-Heiler wird sich also in Trance versetzen, und ist so in der Lage die universelle Trägheitsenergie zu kanalisieren und durch Anpusten auf den Kranken zu übertragen. Unterstützt wird die Behandlung durch einen Aufguß von Faulkraut (gelbe Johannisblume), und durch eine Diät mit typisch östlichen Lebensmitteln4.
Man sieht, daß unsere Heilmethode alle oben geschilderten Anforderungen erfüllt. Jetzt brauchen wir nur noch einen tollen eingängigen Namen, und wir können alle stinkreich werden die ganze Welt heilen.
Ich schlage den Begriff “Trägheitsresonanztherapie” vor. Andere Vorschläge?
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1„Ein Körper verharrt im Zustand der Ruhe oder der gleichförmigen Translation, sofern er nicht durch einwirkende Kräfte zur Änderung seines Zustands gezwungen wird.“
2Auch nicht blöder als das Simile-Prinzip
3Ein fauler Apfel steckt hundert an.
4Broiler, Soljanka, Spreewaldgurken und Club-Cola
24 Juli 2010 um 8:03 am
Ich kiffe gerne! Und dann werde ich irgendwann echt träge. Wenn ich mit meinem Nachbarn kiffe werden wir beide träge. Ergo ist das ansteckend…
24 Juli 2010 um 10:29 am
Die Therapie gibt es leider schon, nennt sich allerdings in typischem deutsch erkenntnisverhindernd “Beamtenstatus”. Man koennte auch “Politik der ruhigen Hand”, “Aussitzen” oder “Entschleunigungsgesetz” nennen. Oder schlichtweg “Befoerderung”, das klingt gleich so ein bisschen nach “Fahrt ins Nirwana”.
26 Juli 2010 um 12:03 pm
Und der Heilerjob ist dann was für Lebensmüde? Wer tut sich den ganzen Stress mit den Patienten denn sonst freiwillig an? Neenee, bleib mir mal schön weg mit Arbeit…
26 Juli 2010 um 5:57 pm
@stormwitch
Ich vermute mal dass die Therapie darin besteht, dass der Therapeut einfach mit gutem Beispiel voran geht und sich vor dem “Patienten” demonstrativ auf einem hübsch-bequemen Sofa ausruht. Dann ist das doch gar nicht so schwer … … notfalls kann man trägheitsresistente Patienten dann noch dafür einspannen, dass sie eigene und fremde Rechnungen für den Trägheitsresonantherapeuten (TRT ist doch eine hübsche Abkürzung) ausfertigen, eintüten und zur Post bringen. Der TRT hat dafür natürlich keine Zeit, da er ja die nächsten Patienten …
… hmm, nach dieser Anstrengung muss ich mir wohl selbst den TRT geben …
27 Juli 2010 um 11:33 am
Trägheitsresonanztherapie … guter Begriff … hatte mal die Idee herauszufinden, ob mensch mit Kurs-Angeboten in “altslawischer Tantra-Meditation” Esos verarschen kann
28 Juli 2010 um 3:20 pm
Da bekommt die Aussage “ab auf die Therapiecouch!” eine ganz neue Bedeutung…
29 Juli 2010 um 12:59 am
Das Wort “Therapie” entstammt ja einer Mischung von altgriechischer und südfranzösischer Umgangssprachenvermischung.
Etwas hypochondrisch(altkaribische Insel,Affensprache) ist auch dabei.
Auf Teutsch heisst das”Gib’mir einen Apfel odeer ich hau’ dir in die Fresse”. Aber das weis ja keiner mehr heutzutage.
26 August 2010 um 12:26 pm
Also so aus meiner Erfahrung(…) benötigt das “Fachpersonal” 1-4 Therapien.
Mindestens.
Wohlmeinend bedauernd meine ich das, also fachpersonalig.
28 Juli 2011 um 3:32 pm
[...] gebe zu, meiner Trägheitsresonanztherapie war bisher kein großer Erfolg beschieden, was aber wahrscheinlich daran lag, daß ich, als bisher [...]