Beschissenes Geschwätz II

Fast genau ein Jahr ist es her, daß ich in meiner Eigenschaft als Fürst vom Dulsberg und König von Mecklenburg/Vorpommern mit der Einführung der Prügelstrafe drohte, sollte weiterhin das Kauderwelschverbot mißachtet werden. Gemäß Voltaires Regel* über den Grauch neuer Worte, hatten wir uns darauf geeinigt, nur jene neuen Worte zu nutzen die Notwendigkeit, Verständlichkeit und Wohlklang miteinander zu verbinden.
Allein mich dünkt, man will nicht hören. Mittlerweile bin ich praktisch unfähig, gewisse Fernsehkänale einzuschalten, weil der dort gebrauchte Jargon auf jeden Sinn verzichtet, solange er nur recht hübsch klingt und dem Ohr der s.g. “breiten Masse” gefällig ist**.
Erst neulich fiel mir auf, daß der deutsche Torwart offenbar dem Tode geweiht ist. So wie ich das sehe, fiel er einem heimtückischen Anschlag des Keepers zum Opfer. Jedenfalls belehrt uns GOOGLE-NEWS-Deutschland darüber, daß der Begriff “Keeper” mit 15.171 Treffern rund 4,35 mal häufiger benutzt wird, als der Begriff “Torwart” mit gerade mal 3484 Treffern. Wohlgemerkt in den deutschen Nachrichten! Wie steht es den hier mit Notwendigkeit, Verständlichkeit und Wohlklang? Über den Wohlklang mag man sich streiten. Gewiß gibt es Leute, denen beim Begriff “Torwart” unangenehme Assoziationen zum Wärter oder Blockwart ankommen, und die deshalb den Begriff “Keeper” vorziehen. Der Punkt sei ihnen geschenkt. Die Verständlichkeit geht aber klar an den Torwart, denn der Keeper hat alleine elf (!) direkte Übersetzungen, während der Torwart (soweit mir bekannt) nur eine mögliche Bedeutung hat***. Notwendig ist der englische Begriff offenbar auch nicht, denn zwar hat er einen Buchstaben weniger, ist aber ebenso zweisilbig und ist deshalb auch nicht wesentlich schneller auszusprechen. Darüber hinaus läßt die deutsche Bezeichnung an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig.
Nicht ganz so häufig wie der Keeper, aber immer deutlich häufiger als der Trowart, wird mit 13.162 Treffern der “Goalie” genannt. Ebenfalls zweisilbig will die Notwendigkeit der Nutzung nicht recht einleuchten, aber immerhin ist die Bedeutung hier eindeutig. Etwas anderes als Torwart ist hier kaum gemeint. Von Wohlklang kann hier allerdings nicht die Rede sein, und ich kann nicht im mindesten verstehen, warum sich irgendjemand nach etwas benennen lassen sollte, das wie etwas klingt, das die Katze hochgewürgt hat.
Und davon abgesehen finde ich, daß wir -wenn wir schon englisch sprechen müssen- doch bitte auch Soccer statt Fußball spielen sollten.

Aber lassen wir das. Ich habe mich nun schon oft genug über das Thema ausgekotzt und wer will so etwas schon noch lesen. Ich wollte auch nur sagen, daß ich jetzt aufgebe. Sollen doch die Narren schwätzen wie ihnen das Maul gewachsen ist, derweil ich es mir hier im Elfenbeinturm gemütlich mache.
Hier sind übrigens noch Plätze frei.

Mitbürger! Freunde! Römer! hört mich an:
Begraben will ich ´s Deutsche, nicht es preisen
Pro Sieben hat das Deutsche totgesagt
und was das Fernsehn sagt, das will ich glauben.
Zu lang das deutsche Wort und schwer zu lernen,
und paßt nicht recht zur Mode unsrer Zeit.
Auch hat das Fernsehn Euch gesagt,
daß Deutsch zu schwierig sei, und ist es das,
so ist´s ein schwer Vergehn
und schwer solls Deutsche dafür büßen.
Hier, mit des Fersehns Willen (und des Internets)
komm ich, beim deutschen Leichenzug zu reden:
Sie war mein Freund, war Beistand mir und Trost
Sie führte mich durch tausend Welten und zurück
Formte den Geist mir und die Phantasie.
Ich ging mit Ihr zum Zauberberg
und fand mit ihr die Blaue Blume.
Lütt Matten fing mit mir die weiße Muschel,
mit Winnetou ritt ich durchs wilde Kurdistan.
Doch sagt das Fernsehn, daß das Deutsche uncool sei
und spricht das Fernsehn, spricht es wahr.
Ich will, was Pro Sieben sagt, nicht widerlegen;
Ich spreche hier von dem nur, was ich weiß.
Ich liebte meine Sprache einst nicht ohne Grund;
und habe Grund genug, um sie zu trauern.
Ich wollt, gemeinsam mit Geist der toten Sprache,
-die gleichsam aus der Höll entstieg-
Mord rufen und des Krieges Hund’ entfesseln
und Scheiterhaufen für die Journaille errichten.
Doch ist mein Herz an diesem Sarge
darin die deutsche Sprache liegt,
und muß vor Trauer bebend schweigen 
von schierer Übermacht besiegt.

*Schluchzt hysterisch, rauft sich die Haare, zerreißt die Kleider und geht nach links ab*

.

.

.

.

.

*»Verwendet nie ein neues Wort, sofern es nicht drei Eigenschaften besitzt: Es muß notwendig, es muß verständlich und es muß wohlklingend sein!« Francois-Marie Voltaire
**„Demnach wäre der Charakter des Jargons überaus formal: er sorgt dafür, daß, was er möchte, in weitem Maß ohne Rücksicht auf den Inhalt der Worte gespürt und akzeptiert wird durch ihren Vortrag.“ Theodor Adorno
*** Man mag nun einwenden, daß der Begriff ja nur beim Fußball oder anderen Sportarten genutzt würde, und deshalb an Deutlichkeit nicht zu wünschen übrig ließe. Man stelle sich aber nur einmal vor, ein Keeper, ein Keeper und ein Keeper**** würden Fußball spielen, und keiner würde als Keeper spielen?
****ein Wächter, ein Aufseher und ein Tierpfleger

Tags:

3 Antworten zu „Beschissenes Geschwätz II“

  1. Blinkfeuer sagt:

    Dabei ist das so einfach:
    “Eeeheer steht im Tor, im Tor, im Tor und ich dahintaaa/
    Frühling Sommer Herbst und Wintaaa!”
    Wencke Mhyrre o.s.ä. meint den Torsteher!

  2. Lena sagt:

    Ich! Ich! Ich, will das noch lesen! Und bitte auch noch nächstes Jahr…
    Nicht aufgeben, niemals. Es gibt noch mehr von uns und du bist unsere Hoffnung.

  3. spill sagt:

    Ach was das.
    Der Trick ist ja folgender.
    1.
    Die Angst des Torwarts vor dem Elfmeter ausnützen.
    2.
    Dann so rechts antäuschen, und dann die linksdrehende Bananenflanke in’s Tor quasi so ballistisch winkelig ‘reinzirkeln.

    Tippe da aus E-JugendErfahrung ey.
    Gottnochmal wurde meine Bude zugeknallt ey.
    Habe dann KeeperJob abgeben müssen(0:11 gegen Bad Ems).
    Wurde dann “Torwart”.
    Dachte erst das ist doch gehupft wie gesprungen, diese Bezeichnung.
    Leider bin ich wohl zuwenig gehupft/gesprungen, besonders bei Elfmetern, und auch wenn diese Schnaise Abwehr wieder mal total bekifft(nehme ich an) vor dem Tor die Stürmer quasi anquasselte, like…”Du hör’ mal…lass uns mal darüber reden ey…ich meine das ist doch echt totale Schnaise ey….ich meine das ist doch total unnett irgendwie ey…ich meine du tust uns ja emotional total weh ey….so ein 45:0 ist doch irgendwie….ey…..
    Also so dem Stürmer irgendwie nachrennend….also wenn der die ob der Entfernung noch hören konnte…
    Und wer war der letzte Arsch? Na? Ja that.

    Naja.
    Habe erstmal so das “Tor” schrittmäßig ausmessen müssen.
    Aber da war der Ball meistens schon ‘drin…
    Musste dann so (0:11-0:45-0:183-0:1-0:789-0:0<Spiel abgebrochen wg.Eisregen in Marokko) "Torwart" werden.
    Das dieses nur bedeutete den Status eines Platzwarts zu übernehmen, also nur so das Tor putzen….war mir anfangs nicht ganz klar.
    Brach danach meine vielversprechende angestrebte Karriere (Richtung Nationaltorhüter) konsequent ab.
    Und, zugegeben, – es macht nun viel mehr Spaß die Spieler gröhlig anzupöbeln und mit faulen Eiern/Tomaten zu beschmeißen. ;-) )))))))

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Log Out / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s


Follow

Get every new post delivered to your Inbox.