Als ich noch ein Knabe mit lockigen Haar war, war eines meiner Lieblingsmärchen das russische Märchen von den zwölf Monaten. Das ging ungefähr so: Böse Stiefmutter schickt hübsche, kluge Stieftochter (Maruschka) mitten im Eismonat (Januar) in den Wald, um (je nach Version des Märchens) Veilchen und/oder Erdbeeren zu pflücken. Väterchen Frost greift ein; besorgt auf magische Weise Veilchen und/oder Erdbeeren und/oder/und Äpfel; böse Stiefmutter und/oder Stiefschwester werden bestraft, Maruschka kriegt Hütte, Kuh und Ehemann und lebt klüglich bis ans Ende ihrer Tage*. Ende.
Grundsätzlich funktioniert das Märchen auch heute noch. Doof nur, daß die Rolle von Väterchen Frost mit Supermärkten und Blumenhändlern neu besetzt worden ist, und die Magie durch globalisierte Märkte ersetzt wurde. Erzählt man das Märchen also heute, muß man sich nicht wundern, wenn die Blagen** einen auffordern, doch im nächsten Supermarkt nach dem Gewünschten zu suchen.
Und jetzt liebe Hobbits die Fangfrage: Wo wachsen mitten im Winter die Rosen, die wir einander so gerne schenken, wenn Herr Valentin Geburtstag feiert? Genau! In Kenia. Und selbst wenn die Blumenzucht in Kenia allen ökologischen Anforderung gerecht würde***, alleine der Transport von Blumen von Kenia nach Deutschland (oder von Südamerika nach Deutschland) darf mit einigem Recht als Ökoterrorismus bezeichnet werden.
Und darum sprechen wir jetzt alle mal ganz laut nach:
“Umweltverschmutzung ist nicht romantisch!”
Na das hab ich aber schon besser erlebt. Nochmal und diesmal wirklich alle:
“Umweltverschmutzung ist nicht romantisch!”
Und deshalb gilt für jetzt und alle Tage, daß wir mitten im Winter weder Blumen verschenken, noch uns schenken lassen****. Schließlich finden wir es auch nicht romantisch, wenn man uns auf die Auslegeware kackt oder uns das Wohnzimmer mit Dieselabgasen vollpumpt. Gelle?
Bitte? Der Herr in dritten Reihe hat ein Frage? Was Sie jetzt Ihrer Liebsten schenken sollen? Woher soll ich das wissen? Hergott, schenken Sie ihr ein Wellnesswochende, lassen Sie sich einfach mal Zeit beim Vorspiel oder reichen Sie die Scheidung ein. Irgendwas wird ihre Süße schon mögen.
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*Eine Version des Märchen könnt Ihr hier lesen.
*Blag, das [1] entspricht im Prinzip einem Kind, nur lauter, geruchsintensiver und nervtötender
***was sie selbstverständlich nicht tut
**** gilt auch für spanische Erdbeeren, südafrikanische Äpfel, chilenische Birnen und thailändischen Tofu*****
***** ganzjährig
Tags: Blumen, Valentinstag
14 Februar 2011 um 11:47 am
Das hast du ganz schön gesagt lieber Roland!
14 Februar 2011 um 2:13 pm
genau, ein Wellnesswochende, schön mit Salzgrotte mit Himalayasalz gefüllt.
das zB wird ja von netten kleinen Himalayaner zu Fuß zu uns gebracht. das schont die Umwelt und nutzt der Bergbevölkerung.
14 Februar 2011 um 3:25 pm
@jule: Dankeschön. *knickst artig*
@Markus: Was das mit Himalayasalz bringen soll, muß mir auch noch mal jemand erklären. Natriumchlorid ist Natriumchlorid, lächelnde Mönche hin oder her. Aber mein Chemieuntericht ist auch schon lange her.
PS: Gerade gelesen, das ein Teil des Himalayasalzes aus Polen stammt. *Pruuusst*
14 Februar 2011 um 3:45 pm
http://www.amypink.com/2011/02/happy-valentines-day-flowers-chocolate-and-double-dildos/
auch schön.
14 Februar 2011 um 6:19 pm
ey, diese Scheiß Gebirge machen die ganze Logistik Kette kaputt.
kommt der Himalaya nach Polen, hahaha.
pass auf:
Tünnes hat ein Geschäft eröffnet, verkauft jetzt Salz.
kommt der Schäl und fragt: ‘ey Tünnes, wem willst du denn das ganze Salz verkaufen?’
sagt Schäl:’ das weiß ich noch nicht, aber der der mir das verkauft hat sagte, das könnte man super verkaufen.’
tätää, tätää, tätää.
und nebenbei: die besseren Qualitäten Blumen kommen aus Äthiopien, nicht aus Kenia. da kommen die Supermarktblumen her.
aber schön dass du das ganze Obst und Gemüse auch erwähnst.
ich finde auch wir sollten im Winter bei Lageräpfeln und Kohl bleiben, das ganze importierte Zeugs ist nix.
14 Februar 2011 um 7:56 pm
Markus ist voll in Karnevalsstimmung.
@Roland: Volle Zustimmung. Und dass man vom Zoohändler, bei dem man ganz arglos sein Hundefutter bezieht, auch Valentinswerbemails bekommt, weil man seine Tiere ja nicht lieb hat, wenn man ihnen nicht am 14.02. einen besonders leckeren Knochen schenkt, ist auch nicht mehr feierlich. Irgendwas muss mit diesem Tag geschehen, wenn die Weltherrschaft unser ist.
Apropos Weltherrschaft, Magrat kennt eine Künstlerin, die Interesse hätte, die Oden zu vertonen, bzw. Teile davon. (Du erinnerst Dich bestimmt, dass Du mal was getextet hast, so wie auch WdW und Blinki).
Was hältst Du davon? Kann das ja nicht über Deinen Kopf hinweg entscheiden (Namensnennung lt. Magrat selbstverständlich). Bedenke, dass mit Musik alles besser geht, auch die Welteroberung. Hier ein Beispiel, ein vertontes Magratgedicht: http://www.magratknoblauch.de/blog/2011/02/11/frisch-vertont-mein-gedicht-moor/
14 Februar 2011 um 9:26 pm
*tieflufthol* „UMWELTVERSCHMUTZUNG IST NICHT ROMANTISCH!“
Und Valentinstag ist sowieso doof.
15 Februar 2011 um 4:46 pm
@Monsterchen:
da kein Hundefutterleckerchenhersteller (was für ein Wort für Scrabble oder einfach hangman) eine email Adresse von mir hat war das kein Thema, aber die Werbung allgemein dafür fand ich jetzt auch etwas irritierend …
bei uns gab es Blumen (haha, wer hätte das gedacht) aber aus D, NL und Israel, ich hoffe das war im Erträglichen für Roland, weil aus Israel der Kram wird wohl auch eingeflogen, aber Israel geht doch immer, oder?
14 Februar 2012 um 6:26 pm
[...] Ich wiederhole mich ja gern einmal, aber weil ich kein Bock habe, meinen Valentinsbeitrag vom letzten Jahr hier Wort für Wort zu wiederholen, verlinke ich mir einfach mal selbst, und möchte kurz an unser offizielles Valentintagsmotto erinern: “Umweltverschmutzung ist nicht romantisch!” [...]