… versammeln sich in der Raucherecke meiner Firma die letzten Unbelehrbaren, stecken sich eine Kippe in das vergilbte, faltige Antlitz und freuen sich des Lebens. Gelegentlich unterstreicht ein leise gurgelndes Husten die friedliche Stimmung. Feuerzeuge werden einander geliehen, Zigaretten großzügig geteilt, ganz so als hätte ein Zelebrant gesagt: “Gebt einander ein Zeichen des Friedens.”
Freilich wird hier kein katholischer Gottedienst gefeiert. Nein, was hier statt findet, ist eine Feier des Lebens, ein Hochamt der Lebensfreude. Vor Gevatter Tod und in der Raucherbutze sind alle Menschen gleich. Und so steht hier Direktor neben Putzfrau, Ingenieur neben Hausmeister, Mann neben Frau, Jude neben Moslem und alle haben ne Kippe in der Lippe. Noch nie in der Geschichte der Menschheit, ist ein Krieg vom Boden der Raucherecke ausgegangen.
Allein, ganz freiwillig sind sie hier nicht versammelt. Das Gesetz hat sie hierher verbannt, vorgeblich zum Schutz derjenigen, die sich aus zivilisatorischer Feigheit dem Tabakkonsum verweigern wollen, weil es ihnen scheint, als ob die bloße Ahnung eines Tabaklüftchens gesundheitsgefährdenter sei, als ein 14tägiger Massageurlaub in einer Lebrakolonie. In geschlossenen Räumen zu rauchen, ruft ja inzwischen Reaktionen hervor, als hätte man mal eben ein Tütchen Ebola-Viren in die Klimaanlage gekippt.
In Wahrheit geht es beim Raucherverbannungsgesetz natürlich nicht um Nichtraucherschutz, sondern darum, am Ende sagen zu können: “Selbst schuld!” Stirbt nämlich am Ende eines lustigen (und kurzen) Lebens der gemeine Raucher an Lungenkrebs, Raucherbein oder Nikotinitis vulgaris kann man sich fröhlich grinsend hinstellen, und das Solidaritätsprinzip aufkündigen, weil der Staat ja alles getan hat, um uns vor uns selbst schützen.
Indes, das ficht uns wen’ge Glückliche, uns Häuflein Brüder nicht an. Mit jede Kippe feiern wir das Leben und jede Raucherpause wird zu einer kleinen Revolution gegen das unmenschliche System des Kapitals.
Zurück in die angeschlossenen Funkhäuser.
Mahlzeit.
Tags: Lebensfreude, Rauchen
21 September 2011 um 3:59 pm
Nun raucht man schon etwas aus Mutter Natur und dazu rein pflanzlich, nein, man kann es eben nicht allen recht machen.
Und was ist mit Weihrauch in den Kirchen? Müssen die Popen nun zum Schwenken ihrer Rauchbomben vor die Kirchentür?
21 September 2011 um 4:13 pm
“..alle haben eine Kippe in der Lippe..”
hach, welch großartiger Text
21 September 2011 um 8:10 pm
Das mit dem Weihrauch, Frankie, stell ich mir grad bildlich vor. Wäre glatt ein Grund, sonntag vor 10.00Uhr aufzustehen, oder wann könnte ich die weihrauchenden Diener der Kirche am besten sehen?
Aber sagen Sie mal, Herr Schwarzer, wieso stehen dann alle Raucher Ihrer Firma zur selben Zeit vor dem Tor? Haben Sie etwa fetsgelegte Rauchpausen? Was machen denn die armen Nichtraucher in dieser Zeit? Oder gesellen die sich, wie bei Parties und in Kneipen oft zu beobachten, zu den draußen stehenden Rauchern in der irrigen Annahme, Langeweile sei gefährlicher als passives Rauchen?
22 September 2011 um 8:29 am
Nicht nur das Weihrauchschwenken in der Kirche ist eine Umgehung des Rauchverbots am Arbeitsplatz, auch das Alkoholverbot wird dort in aller Öffentlichkeit umgangen und sogar provozierend zelebriert!
Ich will gar nicht wissen, wie es in den Holzkabinen bezüglich des Datenschutzes aussieht!