Monsterprojekt: 52 Bücher, Woche 9

Thema 9: Bücher, deren (an sich sehr lesenswerter) Inhalt Euch so mitgenommen hat, das ihr aus emotionalen Gründen nicht weiterlesen konntet. (Das abgebrochene Buch.)

Schönes Thema! Ich bin ein hartgesottener Bursche der… Moment mal.. das stimmt ja gar nicht… Ich bin ein sensibler, weichherziger Mann der dicht am Wasser gebaut hat und… Nee stimmt auch nicht… Äh…

Noch mal von vorn. Die meisten Bücher  die ich beginne, lese ich auch zu Ende. Zuweilen beende ich eine Lektüre, weil sie mich langweilt, und in mindestens einem Fall auch deshalb, weil ich zu doof war*, aber emotionale Überforderung ist nur selten der Grund für vorzeitigen Leseabbruch. So selten sogar, daß mir ad hoc nur ein einziger Fall einfällt, und zwar das an sich sicherlich grandiose Werk “Die Freistatt“** von William Faulkner.
Ganz ehrlich, die Geschichte habe ich nur schwer ertragen. Ich habe sonst nichts gegen Sex, Verbrechen und menschliche Bosheit, jedenfalls nicht wenn es denn Unterhaltungszwecken dient, aber als eine der Figuren, die naive und attraktive Temple Drake, mit einem Maiskolben vergewaltigt wurde, mußte ich das Buch zur Seite legen. Das war mir dann doch zuviel.

Einen ähnlichen Effekt hatte, wenn ich es mir Recht überlege, dann auch Jack Ketchums Roman “Evil“, der auf dem überaus realen Mordfall Sylvia Likens beruht, und der mir so unerträglich war, daß an eine Fortsetzung der Lektüre nicht zu denken war.
Wer einmal den Film Irreversibel gesehen hat***, wird wird meine Verstörtheit nachvollziehen können.

Nein, nein, daß ist gar nicht puschlig und wenn mir auch klar ist, daß die Welt nun mal kein ewigwährender Kindergarten ist, möchte ich doch manche Sachen lieber nicht so genau wissen.
Wenn zum Beispiel in der Geschichte “Der Lustmolch” von Charles Bukowski  ein Mann beschrieben wird, der sich beim Anblick der Unterwäsche eine neunjährigen Mädchens ein runterholt:

„Sein Schwanz war so hart wie noch nie, violett und häßlich. Martin kam es so vor, als habe er gerade das Geheimnis des Lebens entdeckt. Er lehnte am Fliegengitter, wichste und stöhnte, sah hinunter auf diesen kleinen Arsch mit den Rüschen.“

dann, mit Verlaub, ist das kaum auszuhalten. Die anschließende Beschreibung der Vergewaltigung desselben Mädchen, derweil zwei Knaben, die gerade noch mit ihr spielten, neugierig zuschauen, muß und will ich dann nicht mehr lesen. Das pack ich noch nicht mal im Vollrausch.

In gewisser Weise ist es eigentlich ein Kompliment für die erzählerischen Fähigkeiten eines Autors, wenn ich nicht mehr weiterlesen kann.

.

Zum Abschluß noch ein paar Worte zu Silkes Idee der Projektbibliothek. Wie das Fellmonster auch,  habe ich es nicht so mit dem Ausleihen von Büchern, weil es mich einfach unglücklich macht, wenn meine Bücher nicht in meiner Nähe (und damit in Sicherheit) sind. Deshalb bin ich auch nie Bibliothekar geworden. Nicht das mir das Bibliothekswesen nicht gelegen hätte, ich wage sogar die Behauptung, daß ich eine Legende in der Geschichte der Bibliothekswissenschaften hätte werden können, aber schon der Gedanke, “meine” Bücher in die Hände fremder Leute zu geben, ohne polizeiliches Führungszeugnis einzusehen und mindestens 5 Leumundszeugen zu befragen, läßt mir die Haare zu Berge stehen.

Allerdings habe ich das eine oder andere Buch  in digitalisierter Form vorliegen, das auszuleihen mir kaum Schwierigkeiten bereiten würde. Sofern Recht und Gesetz dies zulassen natürlich. ;) Einfach mal ne Mail schicken und fragen.

.

.

*z.B. Die Philosophie des Zufalls von Stanislaw Lem
**eine Zusammenfassung gibt es hier
*** wovon ich Zeitgenossen deren Sensibilität ausgeprägter ist, als dies, sagen wir mal, bei einer Bettwanze der Fall ist, eindeutig und eindringlich abgeraten wissen will!

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8 Antworten zu „Monsterprojekt: 52 Bücher, Woche 9“

  1. Ralph sagt:

    Zwar beschrieb ich im Rahmen des Projekts einen anderen Fall – aber besagter Bukowski und auch eine Passage in einem Stephen King Buch, in der es um Gewalt gegen Frauen (eine Frau) geht, haben mich … naja, Tränen hatte ich schon in den Augen. Irgendwie. Ich kann so etwas auch nicht ertragen. Ich hasse derartige Beschreibungen, die so real sind. Zu real für mich – also doch ein Weichei, wie der Dark Johann in mir sagt … obwohl auch ich viele Gemetzel ohne Zuckungen ertrage. Es kommt eben darauf an …

  2. julewäschtsichnie sagt:

    Ganz großer Film, der “Irreversible”. ganz groß!

  3. rolandschwarzer sagt:

    @Ralph: Yepp, Realismus und Glaubwürdigkeit machen solche Beschreibungen so unerträglich. Der Stephen King dürfte Rose Madder sein gelle?
    @jule: Das ist er ganz bestimmt, aber ich kann ihn mir einfach nicht ansehen. Wahrscheinlich sollte ich mit Ralph eine Weichei-Selbsthilfegruppe gründen.

  4. Ralph sagt:

    @Roland: Bingo – für mich eine Nummer zu hart. Und ich liebe King!
    Mein lieber Roland, wir wären garantiert die härtesten Weicheier der Welt.

  5. Fellmonsterchen sagt:

    Ich glaube, bei der Bukowski-Szene hätte ich auch abgebrochen. Das ist schon mal nicht das richtige Buch, falls ich noch mal ausprobieren werde, ob ich Bukowski mittlerweile mehr abgewinnen könnte…

    Ich bin ja froh, dass ich nicht die einzige bin, die Macke mit dem Bücherverleihen hat. Und auch ausleihen ist nicht so meine Welt, da hätte ich immer das Gefühl, mich beeilen zu müssen und dann immer die Vorsicht, dass das Buch ja nicht aus Versehen mal einen kleinen Knick bekommt…

  6. DarkJohann sagt:

    Wollte noch einen “guten Rutsch” -Wunsch hierlassen …

  7. natira sagt:

    Ich glaube nicht, dass ich Bukowski Lustmolch lesen möchte…
    Das ist mir beim Nachdenken über das dieswöchige Thema bewusst geworden: Ich meide bestimmte Bücher, wenn ich “Vorwarnungen” erhalte, wie ab jetzt “Der Lustmolch”. “Das Bild Rose Madder” von Stephen King ist heftig, aber ich habe es vollständig gelesen. Hätte ich aber _vorher_ konkreteres über diesen Roman gewusst, hätte ich es vielleicht gar nicht erst angefangen. Du verstehst sicher, was ich meine.

    Ich wünsch Dir und Deinen Lieben einen guten Rutsch und ein gutes neues Jahr!
    Viele Grüße
    Natira

  8. aga80 sagt:

    Nach der Beschreibung weiß ich, das dieses Buch niemals von mir konsumiert wird.
    @Ralph dann werde ich wohl deiner Weicheiselbsthilfegruppe beitreten, denn solche Filme muss ich nicht haben,den Film “Elephant” habe ich auch nie ganz gesehen, allein das Wissen um die Reale Vorlage der “Columbine High School” hat mir dann irgendwann doch gereicht.

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