Monsterprojekt: 52 Bücher, Woche 10

Thema 10: … nimm einen Stift, Block und mindestens einen Würfel (6 Seitig)
Bestimme die Anzahl d … Äh? … Schließe die Augen und nimm  irgendein Buch aus dem Regal.

Hmm… Ganz zufällig (ehrlich!) greife ich gerade aus dem Bücherregal ein Werk von Stephen King, der aus irgendeinem Grund, über den ich mir selbst noch nie so genau Rechenschaft abgelegt habe, zu meinen Lieblingsautoren zählt. Ich weiß ehrlich nicht so genau, warum ich seine Geschichten so mag, aber ich vermute es liegt schlicht daran, daß King ein verdammt guter Erzähler ist. Jemand, der einem die Geschichte so glaubhaft rüberbringt, daß einem das was Coleridge die “willentliche Aufhebung des Unglaubens” nennt,  einfach keine Mühe bereitet.
Das Buch über das wir heute sprechen, nennt sich Nachtschicht ist von 1978 und beinhaltet 20 Kurzgeschichten. Ich bin ja sonst mehr so der Roman-je-länger-desto-lieber-Typ, aber eine schöne knackige Kurzeschichte weiß ich durchaus zu schätzen. Und diese Geschichtensammlung hat allerhand zu bieten. Und zwar beileibe nicht nur Horrorgeschichten wie man sie von King erwarten würde. Die gibt es natürlich auch, wie zum Beispiel “Briefe aus Jerusalem“, einer Geschichte in Briefform, die den Leser wahlweise die Entwicklung einer paranoid-schizotypischen Persönlichkeitsstörung nachvollziehen , oder aber abgrundtiefes Grauen erleben läßt. Auch extrem gruselig ist die Geschichte vom Mann, dessen drei Kinder vom Schreckgespenst geholt wurden, und der nun beim Psychiater Hilfe sucht. Hätte er doch besser einen Exorzisten gefragt. (“Das Schreckgespenst“) Ein paar Geschichten (“Lastwagen”, “Manchmal kommen sie wieder” und “Der Rasenmähermann”) sind schon verfilmt worden, aber meistens reichen sie nicht annähernd an die Geschichten heran, oder haben einfach nur den Titel miteinander gemein (“Die Kinder des Mais“) und lohnen nicht gesehen zu werden. Das Lesen lohnt sich aber immer, auch -vielleicht sogar vor allem- bei den Geschichten, die keine im eigentliche Sinne Horrorgeschichten sind. Welcher Raucher könnte wohl nicht die Nöte des Protagonisten aus “Quitters, Inc.” nachvollziehen, einer Geschichte in der einem Mann mit außergewöhnlichen Methoden das Rauchen abgewöhnt wird. Oder “Die Frau im Zimmer” die sich mit  Sterbehilfe auseinandersetzt.
Richtig furchtbar, weil sehr traurig und schön geschrieben, ist die Geschichte “Die letzte Sprosse” die von  Bruder und Schwester erzählt, und von vom Verlassensein , und warum manche Ereignisse ein ganzes Leben berühren können. Und warum wir uns vielleicht von Zeit zu Zeit besser um unsere Lieben kümmern sollten.
Zum Schluß noch ein paar Worte zur Geschichte “Der Mann der Blumen liebte“: Eigentlich keine Horrorgeschichte aber doch irgendwie ein typischer King. Wie er uns an einem lauen Frühlingsabend einen Mann kennenlernen läßt, der so offenkundig verliebt ist, daß selbst die mürrischsten Zeitgenossen lächeln müssen, nur um uns plötzlich und unerwartet (wie es in Todesanzeigen so gern heißt) einen Hammer um die Ohren zu hauen, das hat schon fast etwas Geniales.

Ich kann “Nachtschicht” uneingeschränkt empfehlen, gerade auch denjenigen, die von den oft recht umfangreichen Romanen Kings eher abgeschreckt sind. Wer glaubhaft erzählte Geschichten mag und sich gerne mal erschrecken läßt, wird sich hier wirklich gut bedient wissen.

Zurück in die angeschlossenen Bücherhallen.

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2 Antworten zu „Monsterprojekt: 52 Bücher, Woche 10“

  1. Silke sagt:

    Oh, diese Kurzgeschichtensammlung habe ich auch hier, und vor bestimmt 15 Jahren das letzte mal gelesen – die sind wirklich gut! Ich glaube, ich muss das Buch mal wieder auf den “Lesen! – Stapel” legen.
    LG
    Silke

  2. natira sagt:

    Ich glaube diese Kurzgeschichtensammlung von ihm habe ich nicht, da könnte ich mal in der Bücherei stöbern. Ich habe “Im Kabinett des Todes”, die ebenfalls eine MIschung aus psychologischem und anderem Horror, Fantasy und Grusel enthält. “1408″ und “Riding the Bullet” sind dort enthalten, auch jeweils verfilmt, aber … *hm, Verfilmungen von Stephen-King-Romanen bzw. Kurzgeschichten sind irgendwie immer ein Thema für sich ;) .

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