Thema 12: Ein Buch mit einem Tier im Titel!
Als ich letztes Wochenende so mit meiner Nichte über Wiesen und Felder Mecklenburgiens spazierte, kreuzte plötzlich ein Kaninchen unseren Weg, was die Lütte zu der spontanen, wenn auch wenig originellen, Äußerung veranlasste: “Guck mal, ein Hase.“
Väterlich, oder in diesem Fall wohl eher onkelhaft, belehrte ich sie über ihren taxonomischen Irrtum mit den Worten “Das ist kein Hase, sondern ein Kaninchen. Hasen haben längere Ohren.“
Bemerkenswert an diesen beiden Sätzen ist nun nicht etwa mein schlicht sensationelles Wissen über die komparative Anatomie der Hoppeltierchen*, sondern der Umstand, daß diese Sätze Wort für Wort**aus dem Buch “Erzähl von Deinen Tieren” von Wolf Durian stammen, daß ich so um 1978 das letzte mal gelesen habe. Das muß man als Autor erst einmal schaffen, daß dem Leser noch nach 34 langen Jahren intensivsten Drogen-, Alkohol- und Pfannkuchenmißbrauches die Lektüre des Buch im Gedächtnis haften bleibt, wie Hundescheiße im Stollenprofil meiner Stiefel.
Ich habe sogar schon mal überlegt, dem Autor ein paar lobende Zeilen zukommen zu lassen, wäre der nicht schon seit 41 Jahren tot. So erspare ich ihm aber auch die Enttäuschung über die Tatsache, daß ich -außer den o.g. Sätzen- sonst gar nichts mehr über Buch, Inhalt und Autor weiß, außer vielleicht, daß ich es gerne gelesen habe.
Und wo wir schon mal bei Kinderbüchern sind, fallen mir doch ganz spontan noch “Hirsch Heinrich” und “Ferdinand, der Stier” ein. Von Ferdinand weiß ich immerhin noch soviel, daß er keinen Bock auf Stierkämpfe hatte, und daß dieses Buch für den Pazifismus mehr geleistet hat, als Ghandi, Martin Luther King und der Dalai Lama zusammen. Jedenfalls für meinen Pazifismus.
Relativ lebhaft in Erinnerung geblieben ist mir dagegen “Eine Kuh aus Pinneberg“, die mein anarchistisches Weltbild entscheidend mitgeprägt hat. Die Kuh wollte nämlich unbedingt Kettenkarussell fahren, statt einfach nur doof auf der Weide rumzustehen. Das die Kuh anschließend doch wieder auf die Weide ging, gehört zu den größten Enttäuschungen meiner Kindheit. Wegen dieses Verrates an der revolutionären Klasse bin ich nie Vegetarier geworden. Das Buch ist von Frans Haacken, der übrigens auch die Illustration zu “Peter und Wolf” angefertigt hat, und damit können wir die Kinderabteilung für heute dann auch schließen.
In der Erwachsenenabteilung fällt es mir schon deutlich schwerer, zum Thema passende Titel zu finden. Das heißt, so schwer nu auch wieder nicht, aber was darunter lohnenswert vorzustellen ist, ist mir grad noch unklar. Ich liste einfach mal auf, was mir so spontan einfällt:
- “Das Schweigen der Lämmer” von Thomas Harris natürlich
- “Macht`s gut und danke für den Fisch” von Douglas Adams darf selbstverständlich gar nicht fehlen
- “Das Ende der Dinosaurier” von Isaac Asimov für die SF-Fans
- “Die Ochsentour” von Charles Bukowski
- “Die Abstammung des Menschen” von Charles Darwin gehört bei konsequenter Themeninterpretation selbstverständlich auch in die Liste
- “Der Tag der Delphine” von Robert Merle -auch bekannt als “Ein vernunftbegabtes Tier“- ist sozusagen ein thematischer Doppeltreffer
.
.
.
*Hoppeltierchen, die [1] Säugetierfamilie aus der Ordnung der Hasenartigen (Lagomorpha). Diese Bezeichnung, sowie das Fachgebiet der Hoppeltierchenkunde, ist unter Biologen umstritten, für Puschligologen aber ganz klar richtig.
**Bei den Satzzeichen bin ich nicht ganz sicher.
***Solche Erfolche, erreichen nur deutsche Molche!
Tags: 52 Bücher, Bücher, dalai lama, ghandi, martin luther king
20 Januar 2012 um 6:48 pm
Du bist eine wandelnde Bibliothek. Faszinierend, wie Du es schaffst, zu jedem Beitrag ausführlich mehrere Bücher vorzustellen.
“Krieg mit den Molchen” ist sofort auf meiner Wuli gelandet.
20 Januar 2012 um 8:27 pm
Ein Hoch auf den Molchkrieg! Und dabei habe ich es gar nicht selbst gelesen, eine Freundin hat mir langweilige Vorlesungen mit Inhaltsangaben ihrer fortschreitenden Lektüre verkürzt…
21 Januar 2012 um 8:06 am
“Isbjörn, der Eisbär” von Erich Wustmann, “Der Alte vom Berge”, Widu”, beide von Hermann Löns. Sehr zu empfehlen.
21 Januar 2012 um 6:18 pm
Ich zücke auch mal eine meiner WuLis und setze den Kampf mit den Molchen drauf. Danke fürs Vorstellen!
22 Januar 2012 um 4:26 pm
Die Liste wächst und wächst .. Die Molche sind drauf – und was Darwin angeht, der liegt hier mit einer Gesamtwerksausgabe, und ist zum Teil sogar angelesen (hinsichtlich der Reisen)….
23 Januar 2012 um 8:45 am
Die älteren Ossis werden sich noch an “Lütt Matten und die weiße Muschel” erinnern. Oder sind Muscheln keine Tiere?
25 Januar 2012 um 9:44 pm
Natürlich habe ich etwas zu meckern: Die Beschreibung des Unterschiedes zwischen Hasen und Karnickeln darf sich doch (primär) nicht auf die Größe der Ohren beschränken. Insgesamt ist so ein Hase doch deutlich! größer und auch gaaaanz anders gebaut als ein Kaninchen. Also wirklich … und er schmeckt auch ganz anders
Ansonsten ist Dein Artikel wieder einmal sehr, sehr lesenswert. Kompliment dafür!