Thema 17: Wie wär’s also mit Büchern, die man am Anfang so überhaupt gaaaaar nicht lesen wollte, weil beim Lesen des Titels und Klappentextes alle nur erdenklichen Klischees der Welt das Gefühl von Och-nich-noch-so’n-Buch herbeiriefen… sich dann aber – auf Drängen und Nötigungen anderer doch das Lesen aufgezwängt – das Buch als kleiner Schatz entpuppt hat, bei dem es schade gewesen wäre, das man es nicht gelesen hätte!
Angeblich soll man Bücher ja nicht nach dem Umschlag beurteilen, aber ich muß zugeben, genau das mache ich andauernd. Wenn der Umschlag beispielsweise mit leichtbekleideten Damen geschmückt ist, die gerade in die Arme sinken, weiß ich: ‘Aha. Finger weg!’ Ähnliche Effekte haben Bücher mit Bildern von ernstblickenden Ärzten oder Südwales darauf.
Außerdem lese ich so gut wie nie -und ich weiß, daß ich mich gerade als übler Chauvinist oute- Bücher von weiblichen Autoren. Ja, das ist übel, ich weiß, und ich habe auch keine rechte Entschuldigung dafür, aber wenn ein weiblicher Name auf dem Umschlag steht, winke ich normalerweise ab. Zum Glück bin ich aber auch nicht übermäßig chauvinistisch, denn sonst hätte ich nie im Leben die großartige Autorin Ursula K. Le Guin und deren Buch Planet der Habenichtse entdeckt.
Die Geschichte spricht mich auf zwei Ebenen an. Und zwar als eingefleischter SF-Fan und als Anarchist. LeGuin beschreibt in ihrem Buch nämlich eine anarchistisch-kommunistische Gesellschaft auf einem Planeten namens Anarres.
Anarres ist nicht wunderbar. Es ist eine hässliche Welt. Alles öde, alles trocken. Die Städte sind sehr klein und langweilig, richtig trostlos. Keine Paläste. Wir sind arm, wir leiden Mangel. Ihr habt, wir haben nicht. Hier ist alles schön. Nur die Gesichter nicht. Auf Anarres ist gar nichts schön, nichts außer den Gesichtern. Die anderen Gesichter, die Männer und Frauen. Etwas anderes haben wir nicht, wir haben nur uns. Weil unsere Männer und Frauen frei sind; da sie nichts besitzen, sind sie frei. Und ihr, die Besitzenden, ihr seid besessen.
Nun bin ich kein kommunistischer Anarchist und so gefällt mir die Gesellschaft die LeGuin beschreibt, nicht sonderlich. Aber sie läßt die Schwierigkeiten einer solchen Gesellschaft auch nicht aussen vor, sondern beschreibt sehr genau die Probleme. Zum Beispiel wenn sie beschreibt, wenn die Leute auf Anarres obwohl es gar keine staatliche Gewalt gibt, sich unterdrückt und ängstlich fühlen. An anderen Stellen darf man die Geschichte mit einigen Recht als naiv betrachten, beispielsweise beim Umgang mit Kriminalität -die es offenbar so gut wie gar nicht gibt- oder die Behauptung, daß offenbar tatsächlich alle Anarrier freiwillig arbeiten*.
Planet der Habenichtse ist trotzdem ein gutes Buch mit einer eindeutigen Leseempfehlung von mir.
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*deckt sich nicht mit meinen Beobachtungen der menschlichen Natur. Aber zur Verteidigung der Autorin muß angeführt werden, daß es sich ja immerhin nicht um Menschen handelt.
Schlagwörter: 52 Bücher, anarchist, Bücher, chauvinist, Planet der Habenichtse, Science Fiction, Ursula K. Le Guin, Utopie
26 Februar 2012 um 8:14 nachmittags
Ist doch realistisch: der Kommunismus funktioniert nur auf anderen Planeten. Allerdings ist der K. nicht SF, sondern reine Phantasy
3 März 2012 um 11:42 vormittags
Neugierig gefragt: Ist das so-gut-wie-nie-lesen weiblicher autorinnen genreuebergreifend? ich denke z.b an -nein, zur abwechslung mal nicht austen
- haushofers “die wand” oder krimis von agatha christie oder l.welskopf-henrich.
15 April 2012 um 5:49 nachmittags
Ich habe vor Jahren mal die Erdsee-Romane von ihr gelesen. Die fand ich echt gut und “Planet der Habenichtse” werde ich mir mal merken. Wenn das ähnlich ist wie die anderen Romane von ihr, kann es eigentlich nur gut sein, denke ich.